Es ist immer dasselbe Spiel: Das Zugpferd des Vorjahres kommt auf die Werkbank, wird hier und da ein wenig optimiert und fertig ist die Wunderwaffe für eine neue Saison. Die Spielwarenmesse in Nürnberg ist dann die Ausstellung, auf der jeder Besucher danach giert, einen Blick auf den Frischling im Rennstall werfen zu können. Dabei handelt es sich bei den Neuerungen oft nur um Kleinigkeiten, also Evolutionsstufen bewährter Technik.
Ein altbewährtes Konzept: die Pivotball-Aufhängung der Vorderachse wurde aber für den neuen MBX6 überarbeitet
Bei Mugen mussten sich die Techniker allerdings für die aktuelle Saison schon etwas ganz Besonderes einfallen lassen, um den schon erfolgreichen MBX-5R der 2007er-Rennserie noch besser zu machen. In der Vergangenheit kam es auch schon einmal vor, dass eine Verbesserung eines Top-Modells eher nach hinten losging. Da stieg bei uns auf jeden Fall das Interesse, dem MBX mit der Nummer Sechs mal auf den Zahn zu fühlen.
Optische Täuschung
Das Powerhouse, das wir in unserem Mugen verwenden nennt sich RB C6 BB Turbo L2G und macht dem Wettbewerbsbuggy ordentlich Beine. Ein extrem zuverlässiges Aggregat aus der RB-Reihe
Wer sich die Vorabbilder im Internet angeschaut hat, konnte nur winzig kleine Neuerungen am MBX-6 erkennen. Nimmt man sich aber die Bedienungsanleitungen beider Typen genauer vor, kommt das große Erstaunen. Der neue Buggy hat mit dem Vorgänger nur noch optisch Gemeinsamkeiten. Fast alle Komponenten unterscheiden sich in den Teilenummern. So kommt ein neues Chassis zum Einsatz, das genau wie das Vorgängermodell über gewichtsoptimierende Ausfräsungen an unkritischen Stellen verfügt. Querlenker oben und unten, diverse Kleinteile und die Dämpferbrücken sind neu am MBX-6.
Reibungslos
Die 15 Millimeter dicken BigBore-Stoßdämpfer werden mit 400er-Silikonöl gefüllt und leisten einen absolut reibungslosen Dienst. Für sie finden sich ausreichend Anlenkungspunkte zur Abstimmung des Fahrwerks
Der Zusammenbau des Hightech-Buggys geht ganz einfach von der Hand. Die in englischer Sprache gehaltene Anleitung lässt kaum Fragen offen und verweist des Öfteren auf das beiliegende Setup-Sheet. So kann man den Buggy in aller Ruhe in ein paar Stunden zusammenbauen. Alle Öle für die Stoßdämpfer und die Differenziale liegen dem Kit bei und erlauben auch eine mehrmalige Befüllung der Komponenten. In den Differenzialen finden sich wie üblich Vierspider-Gears. Die Anleitung sieht für die Achsen dieser beiliegende O-Ringe vor. Überprüft man allerdings das Setup-Sheet, so sind an der Stelle keine O-Ringe vorgesehen. Der zweiten Variante folgend, bauten wir also die Differenziale ohne zusammen.
Ausstattung
Eine neue Stoßdämpferbrücke aus 4-Millimeter-Kohlefaser ziert die Vorderachse. Die Höcker der oberen Querlenker erlauben der Ackermannstrebe völlige Bewegungsfreiheit während des Ein- und Ausfederns
Davon gibt es einiges beim MBX-6. Neben der klaren Lexankarosserie, bei der die Nase extra ist, damit sie nicht mehr abbrechen kann, gibt es für Außen noch einen weißen Heckspoiler. Ein weiteres, neues Feature sind die Schmutzabweiser an den hinteren Schwingen. Die Querlenker samt Stoßdämpfern werden so vor übermäßiger Verschmutzung geschützt. Sie sind einfach nur mit jeweils zwei Schrauben am unteren Querlenker montiert. Sprüht man diese vor dem Lauf leicht mit WD40 ein, haftet auch kein nasser Lehm mehr an den Deflektoren.
Ergebnis:
Die neuen Pivotball-Aufhängungen werden beim MBX-6 über kleine Kohlefaserdreiecke angesteuert. Vor- und Nachspur lassen sich wie gewohnt über Gewindestangen einstellen
Der Buggy selbst ist aber keineswegs schlechter zu beurteilen. Aus den Kurven heraus dachte er nicht einmal daran, mit dem Heck zu winken. Ein Fahrgefühl wie auf Schienen. Am besten hat uns aber das Springen gefallen. Der MBX-6 reagiert auf die kleinsten Einflüsse seitens des Fahrers, was die Balance während des Flugs angeht. Ist der Buggy nach dem Absprung leicht hochnäsig, genügt ein kleiner Druck auf die Bremse und er neigt die Nase wieder gen Boden. Anders herum genau das Gleiche. Das können andere Buggys zwar auch, doch hatten wir beim Mugen das Gefühl, alles noch besser im Griff zu haben. Dank der super Balance von Fahrwerk und Schwerpunkt brachten wir es nur äußerst selten dazu, den Buggy aufs Dach zu legen.
