Übung macht den Meister
Die Übersetzung
Anfänger im rc-car Sport haben es nicht leicht. Sind sie doch meistens gleichzeitig Teamchef, Fahrer und Mechaniker in einer Person. Viele Entscheidungen müssen an der Rennstrecke getroffen werden und nicht nur das Fahren bereitet am Anfang so manche Schwierigkeiten. Auch das Schrauben bereitet manche Tücken. In unserer Technikrubrik wollen wir deshalb gerade Anfängern Hinweise geben, wie sie mit einfachen Mitteln schneller werden. Thema in diesem Artikel : Die Übersetzung eines rc-cars. Sie bestimmt Beschleunigungsvermögen und Höchstgeschwindigkeit und damit natürlich auch die Rundenzeiten...
Leider widersprechen sich - betrachtet man die Übersetzung - eine gute Beschleunigung und eine hohe Endgeschwindigkeit. Beides zu haben ist unmöglich - die Übersetzung ist daher immer ein Kompromiß zwischen Geschwindigkeit und Beschleunigung und beeinflußt in großem Maße die Rundenzeit. Eine allgemeine Formel für die Errechnung einer optimalen Übersetzung kann man nicht aufstellen, da sie von vielen Faktoren abhängt, wie z.B. dem Motor, dem Fahrzeuggewicht, der Strecke und sogar vom eigenen Fahrstil.
Grundsätzlich gilt bei jedem rc-car mit lediglich einem festen Übersetzungsverhältnis, dass ein kleineres Motorritzel eine höhere Beschleunigung aber auch eine verminderte Höchstgeschwindigkeit bewirkt. In vielen Fällen steigert man mit einem kleineren Ritzel aber auch die Rundenzeit. Gerade bei elektrogetriebenen rc-cars machen viele Fahrer den Fehler ihr Fahrzeug zu lang (mit einem zu großen Ritzel) zu übersetzen.
Sie wollen durch die höhere Geschwindigkeit ihre Rundenzeit verkürzen, merken dabei aber nicht, dass der Motor auf den zu kurzen Beschleunigungsstrecken gar nicht im optimalen Leistungsbereich arbeitet. Die hoch drehenden High-Tech Motörchen erreichen dann keine höheren Drehzahlen und überhitzen. Leistungsverlust und ein abgerauchter Motor sind die Folge.
Umgehen kann man dies, wenn man mit einem kleinen Ritzel beginnt, abhängig von der Strecke. Kleine Kurven und kurze Geraden bedingen eine kurze Übersetzung (kleines Ritzel), flüssige Kurven und lange Geraden eine etwas längere Übersetzung. Zusätzlich spielt das Fahrzeuggewicht eine Rolle. Je schwerer das Fahrzeug, desto kürzer sollte man übersetzen.
Dies ist deshalb erforderlich, weil die Massenträgheit des Fahrzeugs der Antriebskraft entgegenwirkt und diese wiederum - bei gleichem Motor - von der Übersetzung abhängt. Fährt ein Konkurrent in der gleichen Klasse mit einem extrem leichten Modell und einem identischen Motor mit einem 25er Ritzel, so kann für das eigene 100 Gramm schwerere Modell das 23er Ritzel das geeignetere sein.
Auch der persönliche Fahrstil spielt eine Rolle. Wer aus jeder Kurve eine starke Beschleunigung benötigt, weil er sehr stark in die Kurven hineinbremst benötigt eine kurze Übersetzung. Im Gegensatz dazu steht der Fahrer, der mit einem runden Fahrstil versucht möglichst eine hohe Geschwindigkeit durch die Kurven mitzunehmen. Er beschleunigt aus einer bereits höheren Geschwindigkeit und kann daher eine längere Übersetzung wählen. Wobei dies keine Wertung des Fahrstils sein soll. Beide Fahrstile haben ihre Berechtigung und bieten Vor- und Nachteile.
Ebenfalls sehr vorsichtig sollte man beim Einstellen des Getriebespiels vorgehen. Fahrer, die sich permanent über ein zu langsames und kreischendes Auto ärgern, haben schon oftmals mit einem korrekt eingestellten Getriebespiel ihr Auto nicht wiedererkannt. Aneinander reibende Zahnflanken fressen drastisch Leistung und saugen den Akku frühzeitig leer. Etwas Spiel ist daher immer notwendig. Das Hauptzahnrad sollte sich - bei festgehaltenem Ritzel - noch etwas bewegen lassen.
Stichpunkte für die Rennstrecke:
A) Getriebespiel bei E-Motoren einstellen
1. Das Spiel zwischen Ritzel und Hauptzahnrad (Getriebespiel) ist entscheidend für die Lebensdauer und die Fahrleistungen
2. Niemals den Motor fest in Richtung Hauptzahnrad drücken und Schrauben anziehen!
3. Zwischen Ritzelzahn und Zahn des Hauptzahnrades muß ein kleiner Spalt bleiben.
4. Ist der Abstand zu groß, verschleißen die Zähne zu schnell.
5. Ist der Abstand zu gering, ist die Höchstgeschwindigkeit drastisch herabgesetzt.
6. Ein Streifen Folie sollte auf jeden Fall zwischen die Zähne passen.
B) Übersetzungswahl
1. Kürzere Übersetzung (kleines Ritzel) bei: enger Strecke mit vielen Kurven / abgehacktem Fahrstil / hochdrehenden Motoren / hohem Fahrzeuggewicht
2. Längere Übersetzung (großes Ritzel) bei: weiter Strecke mit langen Geraden / rundem Fahrstil / niedrigdrehenden Motoren / niedrigem Fahrzeuggewicht
3. Der Motor sollte immer kurz vor dem Ende der längsten Geraden ausgedreht haben.
4. Immer mit einem kleinen Ritzel anfangen.
5. Die Übersetzung eines rc-cars mit Hohlkammerreifen wird im festen Übersetzungsverhältnis angegeben. 1:6,44 bedeutet beispielsweise, dass sich die Antriebsräder einmal komplett gedreht haben, wenn der Motor bereits 6,44 Umdrehungen gemacht hat. Dies reicht als Angabe aus, da man meistens mit einem einzigen Reifendurchmesser fährt. Größere oder kleinere Reifendurchmesser beeinflussen selbstverständlich die Gesamtübersetzung und müssen zusätzlich eingerechnet werden.
6. Die Übersetzung eines rc-cars mit Moosgummireifen wird in mm/Motorumdrehung angegeben. Dies liegt vor allem am großen Einfluß der sich ständig ändernden Hinterraddurchmesser auf die Gesamtübersetzung. Fährt man einen Reifen mehrere Akkus, so muß von Zeit zu Zeit der Hinterraddurchmesser überprüft werden und ggf. ein größeres Ritzel eingebaut werden. Nur auf diese Weise bleiben die Fahrleistungen und Geschwindigkeiten konstant. Beispiel Formel1 Elektro: Die Gesamtübersetzung ist absolut identisch für 42mm Reifen/18er Ritzel oder 54mm Reifen/14er Ritzel.




